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Schwarzbuch

Das System Plauen *Von Karl Doeleke http://www.haz.de/politik/298742.html*


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*Das System Plauen*
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> *Viele Akten zum sächsischen Verfassungsschutzskandal sind vernichtet –
> aber heute erscheint ein Buch über ihren Inhalt. *
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> Plauen. Von Plauen weiß man nicht viel. Man weiß, dass hier hervorragende
> Spitze gehäkelt wird und dass die Menschen ein besonders breites Sächsisch
> sprechen. Dabei sind die Plauener so stolz auf ihre Vergangenheit. „Hier",
> im südlichsten Zipfel Sachsens, „hat der Osten die Wende losgetreten", sagen
> sie. Zwei Tage bevor am 9. Oktober 1989 in Leipzig die erste
> Montagsdemonstration in die Geschichte einging, waren Hunderte Plauener auf
> die Straße gegangen. Sie wollten nichts mehr zu tun haben mit dem
> Unterdrückungssystem DDR und der Stasi.
>
> *Die Stasi sind sie am Ende nicht losgeworden. 18 Jahre später haben die
> alten Seilschaften noch das Sagen in Plauen. Frühere inoffizielle
> Mitarbeiter, Offiziere und hohe Polizeikader der DDR haben sich nach der
> Wende mit abgehalfterten Beamten und glücklosen Unternehmern aus dem Westen
> zusammengetan und neue Geschäftsfelder erschlossen. Es geht um einen Handel
> mit Prostituierten, auch ganz jungen aus dem nahen Tschechien, Drogen,
> Waffen, Autos, Immobilien und Stasi-Akten. Das Ganze ist Teil des
> sächsischen Verfassungsschutzskandals, der seit Wochen die Republik
> beschäftigt.
> *
> Heute erscheint ein Buch. „Anklage unerwünscht!", heißt es. Es geht darin
> um Korruption und Willkür in der deutschen Justiz. Ein Kapitel widmet sich
> dem Verfassungsschutzskandal am Beispiel Plauens.
>Warum die 70 000-Einwohner-Stadt Plauen und nicht die Metropole Leipzig? Hier sei „der
> Sumpf besonders tief", schreibt Autor Jürgen Roth.
>
> Roth hat von „Leuten im Innenministerium" unter anderem Zugang zu jenen 40
> von 150 Aktenordnern des Verfassungsschutzes bekommen, die inzwischen
> vernichtet worden sind. Das Verschwinden dieser Akten hält der heutige
> Innenminister von Sachsen, Albrecht Butollo (CDU), für nicht sonderlich
> gravierend. Einen Rücktrittsgrund kann er darin jedenfalls nicht sehen.
>
> Dabei ist der Inhalt, wie ihn das Buch wiedergibt, mehr als brisant. Es
> geht in Plauen wie in Leipzig um Seilschaften aus organisierter Kriminalität
> und Justiz, um Verbindungen von Polizei, Staatsanwälten und Richtern ins
> Rotlichtmillieu, Korruption, verschleppte Ermittlungen und Erpressung.
>
> Der wichtigste Mann im „Plauener Spinnennetz", sagt Roth, sei ein
> ehemaliger Stasi-Oberst. Bernd S. hat sich nach der Wende in kürzester Zeit
> vom Schläger zum erfolgreichen Bauunternehmer gemausert. Sämtliche 15 000
> Seiten des Verfassungsschutzes sind als geheim eingestuft oder vernichtet
> worden. Das ist Teil des Skandals: Wer damals nicht verfolgt wurde, muss
> sich auch heute kaum sorgen.
>
> Andere Protagonisten im System Plauen sind laut Roth weitere
> Stasi-Offiziere, ein früherer inoffizieller Mitarbeiter der Stasi, gehobene
> Beamte der DDR-Kriminalpolizei, ein Kripochef, der vom Staatsschutz im
> bayerischen Hof nach Plauen versetzt wurde, um die dortige Polizei zu
> reformieren, sowie Staatsanwälte und Richter, die sich schmieren und
> erpressen ließen und systematisch Verfahren gegen die Plauener Paten
> verschleppten oder gar nicht erst eröffneten. Jene Paten trafen sich
> regelmäßig im Bordell „Herzilein". Sie alle halfen sich gegenseitig aus,
> wenn es zum Beispiel darum ging, schneller an eine Baugenehmigung zu kommen.
>
> Viele Plauener macht der Skandal wütend. Sie fühlen sich ungerecht
> behandelt, wenn sie mit Bußgeldern überzogen werden, weil die Hecke vor dem
> Haus nicht geschnitten wurde, die Paten aber Häuser bauen konnten, ohne eine
> Baugenehmigung zu haben. Und sie wollen endlich die Stasi loswerden.
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