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Schwarzbuch

Ehrenpension ......


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Opfer oder Widerständler?

Im Zusammenhang mit der Fanfare: "Opferrente beschlossen" stellen sich einige grundsätzliche Fragen. Wieso dauert es 17 Jahre, bis sich die Politik zu einer (jämmerlichen) Anerkennung des Widerstandes gegen ein Unrechts-System entschließt? Warum bekommen Angehörige staatskrimineller Organisationen wie des einstigen MfS (Ministerium für Staatssicherheit) Pensionen, von denen die einst durch dieses Ministerium Verfolgten, Gefolterten und Repressierten nur träumen können? Warum wird eine "Ehrenrente" für Angehörige der letzten DDR-Regierung von monatlich 1.000,00 Euro für sechs Monate Tätigkeit ins Gespräch gebracht, ohne den Hauch eines Gedankens an den Ausgleich von Nachteilen, die Menschen durch ihren Widerstand gegen Unrecht und Gewalt erlitten haben?

Warum wird hartnäckig der Negativ-Begriff "Opfer" verwandt und mit der jetzt geplanten Rente verkoppelt, statt den positiven Begriff "Widerstand" zu verwenden? Auch wer "nur" Repressalien ausgesetzt war, hat sich doch widersetzt, war doch nicht im Strom der "Nur-nicht-Auffallen"-Mitläufer? Natürlich waren alle diese Menschen "Opfer" eines unmenschlichen Systems. Aber doch nur im Sinne eines „geopfert werden“ um staatsideologischer Ziele wegen. Wenn wir den nachwachsenden Generationen unzweideutige Botschaften hinterlassen wollen, dann müssen wir die Ehrenhaftigkeit des Widerstandes hervorheben und nicht die deprimierende Opfer-Situation, die eher die Ausweglosigkeit denn den Mut und die Opfer-Bereitschaft vermittelt.

Wir feiern zu Recht den Widerstand der Männer vom 20.Juli 1944. Sie waren im Widerstand, wurden einer menschenfeindlichen Staatsräson geopfert. Hans und Sofie Scholl waren Widerständler, keine Opfer! Meinen Kampf gegen das DDR-SED-System habe ich in Symbiose der Vorbildfunktion des Widerstandes von Männern und Frauen im Dritten Reich geleistet. Das Urteil zu acht Jahren Zuchthaus habe ich als Widerständler entgegengenommen und getragen. Als "Opfer" wäre ich dazu nicht in der Lage gewesen.

Auch wir haben unsere Freiheit geopfert für den Widerstand, viele sogar ihr Leben. Das ist etwas anderes und ehrenvolleres, als nur als Kalb auf der Schlachtbank hingestellt zu werden. Die "Ehrenpension" ist überfällig. Nicht für unser oft mageres Bankkonto! Sondern als Botschaft an die Jugend: Widerstand zu leisten gegen Unrecht und Gewalt ist allemal ethischer, als ein "Schwein" zu sein, um sich seine Versorgung im Alter zu sichern.