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Schwarzbuch

Peter Fischers Lyrik " Ananke " durchfährt souverän die Routen von Raum und Zeit


Autor:

Peter Fischer

Verlag:

Ludwigsfelder Verlagshaus 2008

ISBN:

978-3-933022-52-3

Seiten:

64

Preis:

11,90€

Inhaltsangabe:

  Das Ludwigsfelder Verlagshauspräsentiert im Rahmen seiner„Ludwigsfelder-Literarischen-Reihe“:  

Peter Fischer „Ananke“ Lyrik  

mit Holzschnitten von Timm Kregel  

Ludwigsfelder Verlagshaus 2008, Preis 11,90 EURO, 64 Seiten Bestellungen über alle Buchhandlungen (aber nicht über amazon.de)   oder direkt beim Verlag E-mail: verlagshaus@gmx.de  ISBN 978-3-933022-52-3  

Der Autor, 1943 in Suhl/Thüringen geboren, Redakteur, Autor des Romans „Der Schein“(3. Auflage 2007), der eine Jugend im geteilten Deutschland zum Thema hat, kam nach politischer Haft in der DDR und Freikauf 1975 über den westlichen Teil Berlins nach Hamburg.  Im Januar 2008 erhielt er den Lyrikpreis der Zeitschrift „Dulzinea“.

Er ist verheiratet mit der Schriftstellerin Kerstin Fischer („Das Gewächshaus“) und lebt in Achim bei Bremen. Peter Fischer ist Mitglied im „Literaturhaus Bremen“ und im Verband Deutscher Schriftsteller (VS). 

 „Bilder, Statuen, Sonaten, Symphonien“, so schreibt Gottfried Benn,  „sind international – Gedichte nie. Man kann das Gedicht als das Unübersetzbare definieren“. Damit scheint das Besondere der Lyrik markiert: sie bleibt der Muttersprache verhaftet, sie begrenzt auf Verständnis hin, sie bleibt um Eindeutigkeit im Ausdruck bemüht und zugleich, Grenzraum des Geistigen, dem Zweideutigen der Natur verbunden.

Die Lyrik heute hat eigentlich nur gegen das Vorurteil anzukämpfen, sie sei schwer verständlich. Dies scheint unbegründet, da sie unauslöschlich fortlebt. Freilich, die Welt besteht nun einmal nicht nur aus Federgewichten; zudem: selbst Federn zwingen den Zeiger einer Waage zum Ausschlag!

Wie in dem von der „Dulzinea“-Redaktion ausgezeichneten Gedicht „Zeitfragen“, das mit wehmütigem Blick zurück ein Thema aus den „Oden“ von Horaz über die Flüchtigkeit der Zeit variiert, bleibt der Lyriker in einer scheinbar kühl kalkulierten Weise in einem Teil seiner Gedichte den großen Denkmustern der Antike verpflichtet, die er in eigentümlich anrührender Weise und mit hohem Sinn für Sprachwirkung mit dem Geschehen der Gegenwart zu verknüpfen versteht. Mit diesen Instrumentarien durchfährt der Autor mit seinen hier vorgestellten Kompositionen in unverkennbar eigenwilliger Notenschrift die rätselhaften Routen von Raum und Zeit. Dabei bleibt er lebensprall nahe an den „vollen Futteralen der Zeit“, weiß von „Schauermanns Hunger“ ebenso wie von der „Gier der Tycoone“, die fortdauert, unstillbar scheint und inzwischen dem Geschehen fast jegliche Perspektive zu nehmen droht. Über allem aber „Ananke“, die Verkörperung der ehernen Notwendigkeit, die noch über den Göttern und jeglichem Geschehen wirkt, und der das noch keimende und daher mehr den je gefährdete „ICH“ gegenübersteht, das aber schon „von Staubtanz und Fußspuren im tauenden Lehm“ weiß. Eine durchaus rare, aber eben deswegen außerordentliche Poesie mit zumeist gestrophten Versen, den Geist der Antike atmend, dabei dennoch fesselnd aktuell.                                                                                                              Zeitfragen 

War es nicht erst gestern, EheuFugaces anni…, dass ICH über dieGlänzenden Knospen DeinerHochragenden Brüste strich, DeinHaar verwühlte, und die Rose, dieSchönste, schnitt, Dein Wasser Trank,Grusiniens Tee schlürfte und a´Tergo mich willig dem höllischen TaktDes schilfernden Lebens beugte? WarEs nicht erst gestern? Eheu fugaces…? Reimen sich die die Dinge des großenAblaufs immer neu? Nun, da die dunklenAbendschatten länger werden und Nur noch der Wechsel derTage gelingen. Wohin ist der mohnroteMund, das Wasser der Rose und das a´Tergo der Zeit mit seinem wehen Glück desLeicht gestoßenen Atems, den hellenLockrufen der schwarzen Milane vomHohen Himmel Darguns und dem läppischenDrehtanz unterm grün umkränzten Maibaum,Wohin sind die Jahre…?     

  

„WortNetz“ –VS-Mitgliederzeitschrift / ver.di Heft 02/2009

 Rezension: Peter Fischer :“Ananke“. Gedichte 

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Gedichtband vorzustellen: Wissenschaftlich geprägt, im Vergleich mit bereits vorhandenen Texten, als Schilderung der beim Lesen empfangenen Eindrücke und Stimmungen. Mit seinem aktuellen Gedichtband hat Peter Fischer ein viel beachtetes Buch vorgelegt, für das ich eine sehr persönlich gehaltene Empfehlung abgeben möchte. Als Kind war ich fasziniert von der geheimnisvollen Welt der griechischen Mythologie. An der Universität studierte ich Hölderlin, vielleicht auch wegen dieser frühen Faszination. In Peter Fischers Gedichtband „Ananke“ bin ich beidem wieder begegnet. Wort und Ton. Zeus, Hera, Apollo. Die Birnen in dem Gedicht „Günstige Zeiten“ als unverhohlener Fingerzeig auf Hölderlins „Die Hälfte des Lebens“ („Nachts fallen letzte Birnen / Klatschend ins dunkle / Gras und die schneeblauen / Nächte zeigen Dauer an“). Schwermut, den Themen angepasst: Alter, Ende, Vergang. Die Götter als übergroße Zeugen dessen, dem sogar sie sich beugen müssen, Ananke eben, die Personifizierung der Notwendigkeit und des Schicksals. („Wer tritt noch heraus, wenn die / Balkone fehlen, wenn / Sich auf fremden Grund die / Breiten Becken dehnen und / Die Weihestunde der neuen / Götter schlägt“). Hölderlinsche Gedankenverschlungenheit, Schatten der Odyssee, metrisch Schwergewichtiges – ist hier ein Schulterschluss mit heutiger Lyrik möglich? Ja, Peter Fischer vermag es, das eine mit dem anderen kunstvoll zu verbinden. Seine Themen sind zugleich zeitlos und zeitgemäß. Die Kindheitserinnerungen in den Gedichten Kindheit I und II werfen Schlaglichter auf das von Krieg verschuldete Leid und das Leben als vaterloser Waisenjunge („Da dämpfte der Mai jäh das Licht / schob  mich den wehen Waisen zu…“). Es finden sich Liebesgedichte, Lebensgedichte, durchzogen von dunklen Metaphern, drängend, dem Ende zu, vor der Erinnerung sich beugend. Jahreszeiten gelten als Leitmotiv sich ständig verdichtender Texttinkturen, letheschwarz zum Teil und doch nicht ohne Hoffnung. Sie erschließen sich dem Leser nicht sofort, diese Gedichte, laden ein zum Erneut- und Gegenlesen. Ein Anhang erläutert die nicht so geläufigen Begriffe. Dieser Gedichtband ist ein Gemenge aus Philosophie, Geografie, Geschichte. Der Kitt, der das alles zusammenhält, ist Peter Fischers großes dichterisches Talent. 

Schmale Pfade 

Der Abend der Zeit scheint

Nahe: Still kehren bei

Sinkender Sonne die weißen

Schiffe nun heim. Doch füllt ihre

Fracht die Ärare nicht: Schauermanns

 Hunger bleibt, und die Gier der

Tycoone reißt die Reusen der

Fischer von ihren Schlingernden

Schiffen aus dem Nährstrom der

Zunft. Die Vernunft triggert zum

Vorspiel einer wirren Utopie im

Trüben Fruchtwasser trunkener

Pharaonen. Nur Rousseau hält die

Speicher des sanften Behagens

Leer, und die Mütter recken den

Reichsapfel zum Thron, preisen die

Spur der Pflugschar und das satte

Blattgrün aufwärts zu den schmalen

Stolperpfaden des lange schon

Verlassenen Olymps.                            

 Peter Fischer

(auch in WortNetz 4/2008)                                                     

Sabine Prilop

(Die Rezensentin ist Chefredakteurin der Zeitschrift„WortNetz“) 

Peter Fischer„Ananke“, Lyrik Illustriert v. Timm Kregel

Ludwigsfelder Verlagshaus, 2. Auflage 2008

ISBN 978-3-933022-52-3 Preis 11,80 Euro 

(Über jede Buchhandlung( VLB)oder direkt vom Verlag

 versandkostenfrei E-Mail: verlagshaus@gmx.de ) 

"Der Abend der Zeit scheint nahe..."

Zu Peter Fischers Lyrikband "Ananke"

Dichter wandeln seit jeh auf schmalen Pfaden und sind es daher gewohnt, der
breiten Masse als schwierig, gar als eigenbrötlerische Sonderlinge im
kollektiven Verdacht zu stehen. Um so bemerkenswerter, wenn ein Lyrikband wie Peter Fischers "Ananke", eben erst herausgekommen, bereits in
einer zweiten Auflage erscheint.
Und es lohnt in der Tat, nach diesem schmalen Büchlein mit dem spröden Titel zu greifen. Denn der aus dem thüringischen Suhl stammende Autor, Jahrgang 1943, erreicht mit seinen Texten eine lyrische Tonhöhe, die für seine Generation ganz ungewöhnlich ist.
"War es nicht erst gestern, Eheu/ Fugaces anni..."heißt es etwa in dem mit dem Dulzinea-Literaturpreis ausgezeichneten Gedicht "Zeitfragen",
"dass ICH über die/ Glänzenden Knospen Deiner/ Hochragenden Brüste strich,
Dein/ Haar verwühlte und die Rose, die/ Schönste, schnitt, Dein Wasser
trank,/Grusiniens Tee schlürfte und à/ Tergo mich willig dem höllischen
Takt/ des schilfernden Lebens beugte? War/ Es nicht erst gestern? Eheu
fugaces...?"
Kein neuer Anlauf indes in der Kategorie Liebeslyrik. Fischers Trachten und
Dichten greift weiter, wie schon der Titel "Ananke" signalisiert. In der
griechischen Mythologie steht sie für die Verkörperung der ehernen
Notwendigkeit und des Schicksals, die selbst in den Göttern wie in jeglichem Geschehen wirkt.
Für den humanistisch gebildeten gebildeten Dichter steht die Antike gleichsam als fernster Pfeiler einer Bogenbrücke, die Zeit und
Raum überspannt und im Hier und Heute einer überaus ungewissen Neuzeit
beginnt. Verachtungsvoll ignoriert er die Niederungen der Feuchtgebiete und
ihrer Mangroven-Literatur; nimmt aber von hier aus um so deutlicher die
"Spur der Pflugschar" und "Schauermanns Hunger" wie die unstillbare "Gier
der Tycoone" ins Visier.
"Schmale Pfade" nennt er sein lyrisches Statement.
"Die Abend der Zeit scheint/ Nahe: Still kehren bei/Sinkender Sonne die weißen/ Schiffe nun heim. Doch füllt ihre/Fracht die Ärare nicht: Schauermanns/Hunger bleibt, und die Gier der/Tycoone reißt die
Reusen der/ Fischer von ihren schlingernden Schiffen aus dem Nährstrom
der/Zunft: Die Vernunft triggert zum/Vorspiel einer wirren Utopie im/ Trüben Fruchtwasser ertrunkener/Pharaonen. Nur Rousseau hält die/Speicher des sanften Behagens/Leer, und die Mütter recken den/Reichsapfel zum Thron,
preisen die/Spur der Pflugschar und das satte/Blattgrün aufwärts zu den
schmalen/Stolpferpaden des lange schon/Verlassenen Olympics."
Peter Fischers Biographie ist im übrigen ungemein deutsch. Der Lyriker war
in den 70-er Jahren selbst in das Räderwerk der Stasi geraten und 1975 von
der Bundesregierung aus politischer Haft freigekauft worden. So verwundert
es nicht, dass die lyrischen Reflexionen des Autors immer wieder den Um- und Aufbrüchen des vergangenen Saeculums gelten. Seine eigenen Erfahrungen aus jener Zeit hat er später in seinem als Trilogie konzipierten Roman "Der
Schein" (3. Auflage 2007) über eine Jugend im geteilten Deutschland
verarbeitet.
Fischer war als Redakteur in Hamburg und Berlin tätig und lebt jetzt als
freier Autor in Achim bei Bremen. Er ist verheiratet mit der
Schriftstellerin Kerstin Fischer ("Das Gewächshaus" und "Sergejs Schatten")
und ist Mitglied im "Literaturhaus Bremen" sowie im Deutschen
Schriftstellerverband VS.
Horst Stein (Der Rezensent war Chefredakteur "Göttinger Tagblattes" und Leitender Redakteur der Tageszeitung "Die Welt")

 Peter Fischer "Ananke" Lyrik. Ludwigsfelder Verlagshaus 2. Auflage 2008. 63 Seiten  mit sieben Holzschnitten von Timm Kregel. ISBN 978-3-933022-52-3 Preis 11,90 Euro

Table of contents:

„Der Ruf der Eisvögel…“ 

Zu Peter Fischers Lyrikband „Ananke“   

Wie bespricht man einen Gedichtband? Diese Frage stellen sich Rezensenten seit Jahrhunderten. Mehr als jede andere literarische Gattung entzieht sich die Lyrik oftmals jedweder Objektivität einer kritischen Würdigung, da sie noch weitaus intensiver als andere Disziplinen der Schreibkunst sich dem Zeitgeist, der Kunst als Form und nicht zuletzt dem immer subjektiven, persönlichen Geschmack verschrieben hat.Der Bremer Lyriker und Schriftsteller Peter Fischer springt hier mit seinem neuen Werk „Ananke“ in eine willkommene Bresche: Ihn interessieren nicht die Abhandlungen der Rezensenten, sondern die Lyrik als kraftvolle, ausdrucksstarke Kunstform an sich. „Ananke“, ein Begriff der griechischen Mythologie, bezeichnet das personifizierte Schicksal. Und um nichts weniger als universelle Gefühle, Gedanken und Schicksale geht es Peter Fischer. Wo andere Lyriker dem vermeintlichen Zeitgeist entsprechend sich heute in den so genannten „Poetry Slams“ in der U-Bahn entstandene Gefühlshülsen an die Köpfe werfen, betreibt Fischer noch fundamentale, ambitionierte Lyrik in moderner wie klassischer Vollendung. „Schmale Pfade“, „Zeitfragen“, „Kindheit“, „Herbst“ oder „18 Jahre später“ sind klangvolle Namen einiger Gedichte seines 64-Seiten starken Bandes, doch die Titel lassen nur im Ansatz die Tiefe erahnen, mit denen Fischer die Verse füllt. Als geübter Wortkünstler und renommierter Lyrik-Preisträger vermischt Fischer gekonnt Motive klassischer Mythologie mit solchen des modernen Lebens und Denkens und würzt sie mit tief greifenden Fragen, Gedanken und Überlegungen. Übrigens lässt Fischer auch seine ungeübten Leser nicht im Regen stehen: Hilfreiche Erläuterungen am Ende des Buches lassen beim zweiten Lesen oftmals ganz neue Betrachtungsweisen zu.

Nun mag auch „Ananke“ nicht jedermanns Geschmack treffen – wer jedoch an mutiger, intensiver Lyrik hohen Anspruchs und großer Klasse interessiert ist, sollte unbedingt einen Blick in diesen mit interessanten Holzschnitt-Abbildungen verfeinerten Gedichtband werfen.                                                           

Roman Möhlmann                            

(Der Rezensent ist Herausgeber und Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Taliteratur“)  

Peter Fischer „Ananke"

 LyrikLudwigsfelder Verlagshaus

ISBN 978-3-933022-52-31. Auflage,

Ludwigsfelde 2008   66 Seiten, 11,90 €   

Buchbesprechung:

Peter Fischers Lyrikband "Ananke", erst im Mai erschienen, geht bereits jetzt in die zweite Auflage. Der aus dem thüringischen Suhl stammende Autor, der zum Jahresanfang mit dem Lyrikpreis der Literaturzeitschrift "Dulzinea" ausgezeichnet worden war, vermochte sich damit auf dem schmalen Pfad dieses spezifischen Genres überaus erfolgreich zu behaupten, nachdem er zuvor nur mit Einzelveröffentlichungen in diversen Zeitschriften hervorgetreten war.

Roman Möhlmann, Chefredakteur und Herausgeber der Literaturzitschrift "Taliteratur", lobte in seiner Besprechung, dass Fischer die Dichtung "als kraftvolle und ausdrucksstarke Kunstform an sich" verstehe, die jenseits des en vogue befindlichen Zeitgeistes sich um "fundamentale und ambitionierte Lyrik in moderner wie klassischer Vollendung" mühe und bei ihm eine überaus eigenwillige Ausformung finde. "Als geübter Wortkünstler und renommierter Preisträger vermischt Fischer gekonnt Motive klassischer Mythologie mit solchen des modernen Lebens und Denkens".

Thomas Klatt von der "Lausitzer Rundschau" lobte an "Ananke" (2. Auflage, ISBN 978-3-933022-52-3), es berge insbesondere "sensible Lyrik und wunderbare Verse" und zitiert schwärmerisch aus den "Zeitfragen": "War es nicht erst gestern, Eheu / Fugaces anni..., dass ICH über die / glänzenden Knospen Deiner / Hochragenden Brüste strich, Dein / Haar verwühlte und die Rose, die / Schönste, schnitt, Dein Wasser trank, / Grusiniens Tee schlürfte und á / Tergo mich dem höllischen Takt / Des schilfernden Lebens beugte? War / Es nicht erst gestern?..." Thoma Klatt resümierte: "Ananke" sei "fast ein zärtlichs Buch- zwischen Wehmut und Lebensfreude platziert".

Das Besondere an Fischers Lyrik ist der gekonnt exklusive Rückgriff auf Sprache, die er in kühl kalkulierter Weise
mit den großen Denkmustern der Antike zu verknüpfen weiss, ohne dabei das Geschehen der Gegenwart aus dem Blick zu verlieren. Gerade ihre unmittelbare Aktualität wendet sich gegen das immer noch umlaufende Vorurteil, die Lyrik der Moderne sei schwer verständlich, daher dem "Laien" unzugänglich und ohnehin kaum ausdeutbar.

In "Kindheit I" reflektiert der Lyriker über den frühen Tod seines Vaters, der noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges gefallen war: "Der Winter schien lange / Vorbei. Längst war auch an den / Nördlichen Hängen der Schnee schon / Getaut, die Blüten der Kirschen / Braun und die Kresse an den / Schwappenden Brunnen bitter und gelb. Da dämpfte der Mai jäh das Licht, / Schob mich den wehen Waisen zu..."

In Peter Fischers bislang vorliegenden Kompostionen wirkt längst eine ganz unverkennbar eigenwillige Notenschrift, mit der er souverän den Routen von Zeit und Raum zu folgen weiss. Dabei hat er das immer gefährdete "ICH" eines jeden einzelnen Menschen in einer überaus ungewissen Neuzeit ebenso im Blick wie die "Spur der Pflugschar", aber auch "Schauermanns Hunger" und die erkennbar fortdauernde und unstillbar scheinende "Gier der Tycoone".

Der Lyriker, der auch als Autor mit dem Roman "Der Schein" (3. Auflage 2007, ISBN 978-3-933022-462 ), der eine Jugend im geteilten Deutschland zum Thema hat, erfolgreich war, geriet in den siebzier Jahren in das Räderwerk der Stasi, wurde in politische Haft gekommen und 1975 von der Bundesregieurng freigekauft. Er war als Redakteur in Berlin und Hamburg tätig und lebt jetzt als freier Autor in Achim bei Bremen. Er ist verheiratet mit der Schriftstellerin Kerstin Fischer ("Das Gewächshaus", "Sergejs Schatten") und ist Mitglied im "Literaturhaus Bremen" und im Deutschen Schriftstellerverband (VS).

Dr. Eberhard Grünert