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Stichworte für eine Kurskorrektur beim Aufbau Ost


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Günther Krause: "Stichworte für eine Kurskorrektur beim Aufbau Ost"

Auszug aus einem Beitrag am 20.Mai 2005 auf der ARE- Sondertagung in Greifswald

....."Wir erleben, daß Probleme, die sich im Westen ergeben haben, der deutschen Einheit in die Schuhe geschoben werden. So war Westdeutschland 1989/90 in ganz schwierigem Fahrwasser. Durch die deutsche Einheit hat es dann dort konjunkturellen Schwung gegeben. Der wurde allerdings nicht genutzt, um die notwendigen Reformen in Westdeutschland zu finanzieren und zu organisieren, so wie dies einige Nachbarländer seinerzeit getan haben.
Schweden z.B. hat den übersteigerten Sozialstaat, man könnte fast sagen: den Sozialismus, konsequent abgebaut. Fast alle haben sich in dieser Zeit in der einen oder anderen Weise reformiert. Aber im Osten konnte das natürlich so nicht funktionieren, u.a. da hier eine viel dünnere Kapitaldecke vorhanden war und es auch Mangels der Reformen im Westen nicht klappen konnte. Hinzu kommt natürlich, daß die entscheidenden Maßnahmen in der Eigentums- und Mittelstandspolitik ausbleiben.

Zu den Problemen im Osten gehört vor allem ja auch dies: 60 - 70 % des Landesterritoriums Mecklenburg-Vorpommerns z.B. sind in staatlicher, eigentlich in sozialistischer Hand. Hier gibt es viel zu wenig Unternehmer, die hier etwas machen können, da der Staat das Eigentum in Händen hat. Fehlt nur noch die "Staatliche Plankommission" seligen Andenkens ......
Die Einmaligkeit der Situation in Deutschland im Vergleich: die Lohnnebenkosten sind Bestandteil der Produktkosten, diesen Zustand müßte man so beenden, daß es zu einer echten Befreiung der Unternehmer von diesem Ballast - und damit zu mehr Investitionen kommt. Über das Thema haben wir ja schon u.a. in Falkenrehde gesprochen . Sie, Graf Schwerin, wollen ja auch diesen Punkt in Ihre "Wahlbausteine" für die neuen Parteikandidaten einbeziehen, weil es um die Haupt-Kriterien für den Aufbau geht.

Also, ich wiederhole: An die Stelle der Lohnnebenkosten für Unternehmer muß eine Selbstverpflichtung gesetzt werden, aus anderen Ländern gibt es Parallelen zu Lösungen. Zu erwähnen ist auch, daß die Bundesrepublik Deutschland das erste Mal in ihrer EU-Mitgliedschaft neue Mitglieder als direkte Nachbarländer hat, das hat es noch nie in der EU-Geschichte gegeben, mit Ausnahme des Falls beim Beitritt Österreichs. Insofern gibt es nun zusätzlich Druck auf mittelständische Unternehmen und den Zwang, dem Preisdiktat der Großen als Zulieferer gerecht werden. So muß ein Baden-Württembergisches Unternehmen, das früher für Porsche in Deutschland produzierte, mit dem Preis für z.B. ein Armaturenbrett um ungefähr 30 % preiswerter als vor 5 Jahren herstellen. Das ist Realität.

Als Unternehmer kann ich nicht weitermachen wie bisher, die 30 % kann ich nur realisieren, wenn ich der Gewerkschaft klarmache: ich muß mit der Hälfte der Belegschaft das Gleiche produzieren.
Oder daß ich dem Betriebsrat sagen muß: Ich kann nicht mehr 8 Stunden am Tag bezahlen, sondern nur noch 4, oder statt 35 Stunden muß nun 42 Stunden gearbeitet werden. Oder, wenn ich in Bayern arbeite, indem ich selbst 50 % Materialbezuschussung im Gebiet Ziel I, in der Zone I der Europäischen Union in Tschechien bekomme. Aus Bayern habe ich 20 km Fahrweg und dort werde ich mit 20 % der deutschen Lohnkosten auf die gleiche Qualität der Arbeit kommen.

Wenn Tag für Tag in Deutschland rund 1200 Arbeitsplätze verloren gehen und sich dieser Abwärtstrend fortsetzt, so kann eine der wichtigsten Sofortmaßnahmen nur sein, die Kostenstruktur der Unternehmen dauerhaft so zu verändern, daß man eine Trendwende organisieren kann......."

( Der gesamte Beitrag und die Zusammenfassung der Diskussion mit Uwe Müller auf Anfrage )