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Von K. P. Krause : Jeder kennt Auschwitz. Aber wer kennt Ketschendorf ?


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Das NKWD-Speziallager Nr. 5 der Sowjetunion bei Fürstenwalde – Das Totenbuch verzeichnet 4 722 umgebrachte Menschen – Eine Ausstellung in Luckenwalde erinnert jetzt an ihre Leiden

In diesen Tagen sind die Medien voll mit Berichten und Kommentaren zum Vernichtungslager Auschwitz. Der Anlass rechtfertigt es: Vor siebzig Jahren wurden dessen Insassen, die überlebt hatten, befreit. Schreckliche Lager gab es in der Nazi-Zeit viele. Schreckliche Lager gab es aber auch nach dem Krieg in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ), Lager der sowjetischen Besatzungsmacht. Wann und wo eigentlich wird an sie erinnert? Wann wohl sagt ein Bundespräsident Gauck: Es gibt keine deutsche Identität, ohne auch der Opfer deutscher und sowjetischer Kommunistenherrschaft auf deutschem Boden zu gedenken?*) Eines dieser Lager solcher Schreckensherrschaft war das im deutschen Ketschendorf. Über dieses Lager ist am 20. Januar eine Ausstellung im Kreishaus von Luckenwalde eröffnet worden. Darüber berichtet haben lokale und regionale Medien, so die Märkische Allgemeine Zeitung (hier). Aus überregionalen habe ich darüber nichts wahrgenommen. Deswegen können Sie dazu hier etwas lesen.

Ketschendorf wurde zu DDR-Zeiten eingemeindet nach Fürstenwalde, heute zum Stadtteil Fürstenwalde-Süd gehörig. Hier hat der sowjetische Geheimdienst des NKWD **) Ende April 1945, noch vor dem offiziellen Kriegsende, auf dem Gelände einer früheren Arbeitersiedlung der Deutschen Kabelwerke (DeKa) ein Speziallager eingerichtet. Auf die Ausstellung über dieses Lager hat die Initiativgruppe Internierungslager Ketschendorf / Speziallager Nr. 5 e.V. mit diesen Worten aufmerksam gemacht:

Inhaftiert mehr als 10 000 Menschen, zu Tode gebracht 4 722

„Mehr als 10.000 Menschen im Alter zwischen 12 und 72 Jahren, Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche wurden hier ohne Schuldfeststellung unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt. Bis zur Auflösung des Lagers im April 1947 kamen 4 722 Menschen ums Leben und wurden in Massengräbern verscharrt. Im Osten Deutschlands wurden Überlebende und Angehörige von Opfern bei Androhung von Strafe zum Schweigen über das Lager verpflichtet. Die Friedliche Revolution 1989/1990 beendete das verordnete Schweigen. Überlebende des Lagers ergriffen die Initiative, das Lager und seine Opfer davor zu bewahren, vergessen zu werden. Seit 1990 finden jährlich Gedenkveranstaltungen statt, um an das Leiden im Lager zu erinnern, der Opfer zu gedenken und zu Frieden, Versöhnung und zur Achtung der Menschenwürde zu mahnen.“

Auch über 1 600 Jugendliche wurden nach Ketschendorf verschleppt

mehr dazu bei  dem Blog von Klaus Peter Krause ( oben )