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Schwarzbuch

Die späte Suche nach Grund.Eine analytische Psychotherapie im höheren Alter


Autor:

Regine Alegiani

Verlag:

Vandenhoeck & Ruprecht; Auflage: 1., Aufl. (18. Februar 2009)

ISBN:

978-3525401514

Seiten:

128 Seiten

Preis:

EUR 18,40

Inhaltsangabe:

„Die späte Suche nach Grund“ -Eine analytische Psychotherapie im höheren Alter Zu Regine Alegianis soeben erschienenem Buch  

Regine Alegiani  „Die späte Suche nach Grund“ /Eine analytische Psychotherapie im höheren Alter. Mit einem Vorwort von Gerd Lehmkuhl, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht  Göttingen, 128 Seiten, kart. 18,40 Euro ISBN 978-3-525-40151-4     

Mit unseren Lebensgängen verhält es sich wie mit unserer Geschichte: Sie bleibt immer nach vorne hin offen. Wer erinnert sich in diesen denkwürdigen Tagen der Wiederkehr des Mauerfalls nicht daran, was unsere damaligen gut bezahlten Hofhistoriker noch bis zum November 1989 nicht alles zu deuteln wussten: Wer die Einheit der Deutschen wolle, der gefährde den Frieden in Europa, obgleich damals in den zwei deutschen Staaten kein einziges Regiment in Marsch gesetzt werden konnte, es sei denn, die jeweiligen Hauptmächte hätten es befohlen. Selbstbestimmung im Individuellen ist ohne die Selbstbestimmung in den großen Dingen der Völker nicht denkbar; sie bedingen einander.   Sich mit 69 Jahren einem Wagnis auszusetzen, die die nicht eben schmerzfreie und angstbesetzte Selbstanalyse mit dem therapeutischen Zweck größerer Selbstbestimmung zum Ziel hat, ist schon unabhängig vom Ergebnis ein beachtenswerter Umstand, der allemal Beachtung verdient. Besonders dann, wenn altersbedingte Einschränkungen spürbar werden, die den Horizont einzuschränken trachten und wenn der Geist der Schwere gegenläufigen Regungen gefällig zuzureden versucht.  Regine Gräfin Alegiani, bislang als freiberufliche Übersetzerin, Berufsberaterin und als Referentin bei der in Bonn ansässigen Alexander-von Humboldt-Stiftung tätig, widerstand diesen Kräften und machte sich auf „Die späte Suche nach Grund“. So der gleichnamige Titel einer im Verlag Vandenhoeck& Ruprecht erschienen Studie, die eine vier Jahre währende psychoanalytische Therapie nachzeichnet.  Den Anlass dazu stifteten bei der Autorin weit über die Beschwernisse des Alltags hinausgehende Ahnungen und Mutmaßungen, die allesamt in der frühen Kindheit Anfang und Ursachen zu haben schienen.  Im Nachhinein bilanziert sie, dass ihr eine „seelische Grunderkrankung  aus der frühen Kindheit“ erinnerlich war, die die Richtungen späterer „Lebensentscheidungen und … menschlichen Beziehungen in belastender Weise“ bestimmten.  Zudem sieht sie sich im Bann jener Kriegs- und Nachkriegsjahre, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene lebenslang verstörte, sie ruhe- und heimatlos machte, entwurzelte, sie die  ungeheure Wucht jenes nahezu weltweiten Orlogs spüren ließ, der um Absatzmärkte, Rohstoffe und Weltmachtgeltung geführt wurde. Und schließlich findet sich die Verfasserin dieser durchweg überaus flüssig geschriebenen Studie am Rande ihres Lebensabschnittes angelangt, der zwingend nach Klarheit und Übersichtlichkeit ihrer bereits durchlaufenen Lebensbahnen verlangt. Jene späten Ahnungen finden bei der klinischen Diagnose insofern Klärung, als nicht „Schuld“, weder im engeren politisch-moralischem Sinne, noch in der unmittelbar persönlichen Sphäre in unzureichenden Begegnungen mit Mitmenschen Ursache ihrer Störungen seien können, sondern eingeschränkte Wahrnehmung innerer Regungen und seelischer Klopfzeichen, die sie inzwischen, im nachhinein, auch gelungen dichterisch empfindsam wahrzunehmen weiß: „…wie still / jene Tage / da ich ein Kind  war / das in den Dingen / nichts anderes sah / als das / was die Dinge sind“.  Die Autorin entwickelt für den Leser nicht nur gemeinhin Verständnis für jenen späten Tauchgang in die labyrinthische Welt  des Seelischen, sondern sie ermutigt all jene, die dem Prozess des Alterns nicht indifferent gegenüberstehen, sondern  sich dem Wagnis aussetzen, Lebensläufe überschaubarer, durchsichtiger zu machen, auch wenn am Ende nicht ein vollkommen neuer Mensch, gelöst von den Schattenseiten des Lebens aufscheint, wohl aber einer, der den Mut zu  größerer Selbstbestimmung und Selbsterkenntnis aufgebracht hat, die unsere Altvorderen  bereits als Forderung in der Vorhalle des Apollotempels in Delphi in Stein meißelten.                                                                   

Peter Fischer 

(Der Rezensent ist Autor des Romans „Der Schein“/Eine Jugend im geteilten Deutschland“, 3. Auflage 2007, und des Lyrikbandes „Ananke“, 2. Auflage 2008)

Table of contents:

(keine)

Buchbesprechung:

(keine)