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Rainer Wagner- UOKG-Bundesvorsitzender : 2. Referat für das 3. KINU Chaillot Menschenrechtsforum 2013


                                                                                                              Rainer Wagner / Dipl.-Religionspädagoge (FH)

Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft

Von-der-Tann-Straße 11

D-67433 Neustadt a.d. Weinstraße

Tel.: 0049 (0) 6321 2678

E-Mail: wagner@uokg.de

Internet: www.uokg.de

Die Kirche: Ausgangspunkt des Wandels in der DDR?

- Mögliche Implikationen für Nordkorea.“

Sehr geehrte Damen und Herren,

da ich aus dem christlich motivierten Widerstand gegen das DDR-Unrechtsregime komme, danke ich Ihnen für das Vertrauen, das Sie mir mit der Übertragung gerade dieses Themas erwiesen haben.

Ich gebe meine Gedanken als Demokrat und als evangelischer Theologe, der sich der Bibel verpflichtet weiß, weiter. Dabei bin ich mir darüber im Klaren, dass theologisch liberalere Christen einige Schwerpunkte anders setzen würden als ich. Dennoch meine ich, eine historisch korrekte Darstellung und Wertung der Bedeutung der Kirche im Wandel der DDR geben zu können. Vielleicht finden Sie selbst, aufgrund meiner Schilderungen, neben meinen Anwendungsvorschlägen weitere Implikationen, die in Ihrer Lage hilfreich sein könnten.

 

Vorbemerkung:

Wenn wir auf den Wandel in der ehemaligen DDR zurücksehen, erkennen wir, dass die Evangelische Kirche dabei eine beachtenswerte Rolle gespielt hat.

Die Kirche hat den Wandel in der DDR nicht hervorgerufen. Aber Teile der Kirche und christliche Persönlichkeiten haben zur Überwindung des kommunistischen Unrechtsstaates DDR Wesentliches beigetragen.

Die Kirche war in erster Linie keine Widerstandsbewegung, sondern eine Glaubensgemeinschaft. Den christlichen Glauben zu wecken und zu erhalten war ihr Auftrag zu allen Zeiten. Dieser Glaube aber hat zeitweise auch politische Auswirkungen.

Lassen Sie mich am Anfang dieses Vortrags einige wenige theologische Gedanken voranstellen. Sie erklären die Ausgangsituation der Kirche:

Vom christlichen Glauben her wäre ein Umsturz der politischen Verhältnisse auch nicht Aufgabe der Kirche gewesen.

- Der erste bedeutende Missionar der Kirchengeschichte, der Apostel Paulus, schrieb zum Verhältnis des Christen zum Staat: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.“ (Röm. 13,1a)

- Jesus Christus erklärte: „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ (Mk 12,17b)

Allerdings hat das christliche Glaubenszeugnis eine Tendenz zur Freiheit. Deswegen entspricht die Demokratie dem christlichen Ethos mehr als Diktatur oder gar atheistische Tyrannei.

In erster Linie geht es bei der christlichen Freiheit um eine innerliche Freiheit und keine politische Befreiung. Christliche Freiheit ist zuerst Freiheit von der Macht der Sünde, von der Diktatur des Zeitgeistes, vom anklagenden Gewissen des Einzelnen, von den Sorgen und den Ängsten des Lebens.

Aber Gott, der die Menschen zu seinem Bilde geschaffen hat, wollte auch keine politische oder gesellschaftliche Unfreiheit. Ernst Moritz Arndt, ein deutscher Freiheitskämpfer und Christ des 19. Jahrhunderts, schrieb:

„Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte.“

- Deshalb nimmt in der Bibel, der Lehrschrift der Christen, der historische Bericht von der Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei einen breiten Raum ein (u.a. 2. Mose 1-14).

-Zur Zeit der ersten Christen lebten die Menschen in einer Sklavenhalterordnung. Paulus empfiehlt den christlichen Sklaven seiner Zeit, mögliche Chancen zur Freiheit zu suchen und zu nutzen (1Kor 7,21).

- Petrus erklärte seiner damals antichristlich eingestellten Obrigkeit:

„Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Aplg. 5,29)

Auf diesem Hintergrund gab es immer wieder christlich motivierten Freiheitskampf.

Christlicher Glaube und kommunistische Ideologie passen nicht zusammen.

Der moderne Kommunismus hat sich in der christlich geprägten Gesellschaft Europas entwickelt. Die sogenannten Klassiker des Kommunismus kannten das Christentum gut.

Karl Marx war ein zum Christentum konvertierter Jude und Friedrich Engels gehörte in seiner Jugend zu einer missionarisch ausgerichteten protestantischen Bewegung (Pietismus), die mit dem baldigen Weltuntergang rechnete. Lenin hatte eine fromme deutsche Mutter und wurde in der lutherische Kirche in Simbirsk an der Wolga (heute Uljanows) getauft und Stalin studierte an einem orthodoxen Priesterseminar in Tiflis. http://www.planet-wissen.de/laender_leute/russland/stalin/

Bald aber wandten sie sich extrem gegen alles Christliche. Sie bekämpften die Kirche und machten ihren Glauben verächtlich.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/tagfuertag/2121118/

Religion wird von Marx und Engels als „Opium des Volkes“ 1832/34 in „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ und von Lenin als „Opium für das Volk“ http://www.vulture-bookz.de/marx/archive/quellen/Lenin~Opium_fuer_das_Volk.html bezeichnet. Mit der Durchsetzung des Kommunismus komme es zum „Absterben“ der Religion.

Karl Marx/ Friedrich Engels - Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 1. Berlin/DDR. 1976. S. 378-391.

Kommunisten verachten die Kirche und ihre Lehre. Winston Churchill berichtete, dass Stalin jede Rücksicht auf den Vatikan mit den Worten ablehnte: „Wie viele Divisionen hat der Papst?“ http://blog.kath.de/kaltefleiter/2008/07/10/mein-gewissen-ist-die-wahrheit-folge-13/

- Wenn die Kirche und Christen der kommunistischen Ideologie im Wege stehen, bekämpfen Kommunisten sie mit allen Mitteln. Allein die Russisch-Orthodoxe Kirche geht im Blick auf die Sowjetunion von 96 000 ermordeten Priestern, Nonnen und Mönchen aus.

http://www.kirche-tastungen.org/Reli/RussRevStalin/Prof_Emeljanov.html

- Wo brutaler Mord nicht einsetzbar ist, wie in den letzten Jahren der DDR, arbeitet man mit der Zerstörung des Rufs der Betroffenen oder der Untergrabung der wirtschaftlichen Existenz, sowie mit Bildungsdiskriminierung und Diskriminierungen auf allen Gebieten des Lebens. http://www.derwesten.de/panorama/wie-die-stasi-leben-zerstoerte-aimp-id8241575.html

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1. Das zwielichtige Bild der Evangelischen Kirche in der DDR

1.1. Die Evangelische Kirche in Deutschland war aus historischen Gründen immer staatsnah und dem Zeitgeist eng verbunden.

Kirche wurde in der DDR vor allem als Evangelische Kirche wahrgenommen. Das Territorium der DDR war im 16. Jahrhundert das Mutterland der Reformation. Freikirchen spielten, anders als im angelsächsischen Raum, in der DDR kaum eine öffentliche Rolle. Die Katholische Kirche umfasste weniger als 10 % der Bevölkerung.

Traditionell war die Evangelische Kirche in Deutschland sehr staatsnah. Durch Luthers Reformation trennte sich die Kirche vom Papsttum. Um zu überleben unterstellten die Reformatoren ihre Evangelischen Kirchen dem damaligen Staat. Der Staat wurde von Fürsten repräsentiert. Viele Fürsten übernahmen die evangelische Glaubenslehre und wurden die weltlichen Herrscher in der Kirche. So entstanden die sogenannten Staatskirchen. Der Landesherr bestimmte den Glauben Sie setzten Pfarrer ein und bezahlten sie. Teilweise nutzten sie die Kirche für staatliche Aufgaben wie das Standesrecht. .(Karl Heussi Kompendium der Kirchengeschichte Tübingen 1981 §81j)

Diese Verbindung von Staat und Kirche führte zu einer staatlichen Privilegierung der Kirche, aber auch zu einer kirchlichen Abhängigkeit vom Staat. Zwar konnte die Kirche in christlich ausgerichteten Ordnungen so arbeiten. Unter nicht- oder gar antichristlichen Ordnungen geht dies schlecht. Dennoch versuchten Teile der Kirche ihre Staatshörigkeit auch in den antichristlichen Verhältnissen der Nazi-Zeit und des Kommunismus aufrecht zu erhalten. Im Zweifelsfall stand die Kirche den Forderungen der Obrigkeit näher als ihrer eigenen Botschaft. http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenkampf

1.2. Ein wachsender Druck auf die Christen und eine kirchliche Anbiederung an den sozialistischen Staat seit den 1960er Jahren

Die überwiegende Mehrheit der DDR-Bevölkerung war 1945 evangelisch.

Die in der Hitlerzeit entkirchlichten Menschen kehrten 1945 schnell zur Kirche zurück.

Allerdings war die Kirchlichkeit des größten Teils der Kirchenmitglieder mehr eine Kultur als eine Glaubenshaltung. Man redete seit dem 19. Jahrhundert vom Kulturprotestantismus.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturprotestantismus

Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen Kirchenmitglieder waren, besuchte nur eine Minderheit Gottesdienste oder beteiligte sich am Gemeindeleben der Kirchen. Das Christentum der Mehrheit beschränkte sich stark auf den Vollzug der Taufe, die Konfirmation, kirchliche Eheschließung und christliche Beerdigung. Gottesdienste wurden, wenn überhaupt, nur noch an kirchlichen Feiertagen wie Weihnachten besucht. Da aber offiziell die Mehrheit der Bevölkerung Kirchenmitglieder waren, blieb die Kirche bis in die 1970er Jahre eine einflussreiche öffentliche Institution. Sie unterhielt soziale Einrichtungen, erteilte Religionsunterricht in den Schulen. Es gab sogar Gottesdienste im Rundfunk.

Allerdings verlor die Kirche im Laufe der kommunistischen Zeit an Einfluss. Ursache war sicher die mangelnde Glaubenskraft ihrer Mitglieder, die Anpassung vieler ihrer führenden kirchlichen Personen und der ideologische Druck auf die Bevölkerung. Diskriminierung und Ausgrenzung von Christen taten ein Übriges. Bestimmte Positionen in Staat und Wirtschaft konnte man nur bekommen, wenn man SED-Mitglied war. SED-Mitgliedschaft setzte aber den Kirchenaustritt voraus.

Auch schaffte der Staat Ersatzrituale für die kirchlichen Rituale. Es setzten sich vor allem die atheistische Beerdigung und die kommunistische Jugendweihe, als Ersatz für die Konfirmation, durch.

Junge Leute, die keine Jugendweihe machten oder nicht zur kommunistischen Staatsjugendorganisation FDJ gehörten, hatte keine Chance, eine höhere Schule oder eine Universität zu besuchen.

http://www.rpi-loccum.de/jugendw.html

Nach dem Krieg stand die Evangelische Kirche dem kommunistischen Staat mehrheitlich kritisch gegenüber. Die Bundesrepublik war bürgerlich und in der Kirche rechnete man mit einer baldigen Wiedervereinigung Deutschlands.

Eine kleine Gruppe Theologen, sie nannte sich religiöse Sozialisten, die es auch in der Bundesrepublik gab, sympathisierte von Anfang an mit den Ideen des Kommunismus.

- Obwohl die Kommunisten 1956 den Religionsunterricht an den Schulen und die Einziehung der Kirchensteuer abschafften, suchten viele Pfarrer und Kirchenleitungen die Nähe des Staates.

Politische Organisationen wie die gleichgeschaltete Partei CDU unterstützten diesen Kurs.

http://de.wikipedia.org/wiki/Blockpartei

Ab 1965 entstand die kirchenpolitische Bewegung unter dem Namen „Kirche im Sozialismus“. Große Teile der Kirchenführung unterstützten den realen Sozialismus mit der Doktrin „Kirche im Sozialismus“. Der sogenannte Weisenseeer Kreis, zu dessen Führung auch Pfarrer Karstner, der Vater unserer Bundeskanzlerin, gehörte, http://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Kasner#Pastoralkolleg_Templin verstand sich als sozialistische Vorhut in der Kirche. (http://www.marxistische-bibliothek.de/kirche-im-sozialismus/)

Die theologische Strömung der „christlichen Sozialisten“ sammelte sich um den Leipziger Theologieprofessor Emil Fuchs, den Vater des Atomspions Klaus Fuchs. Über die Gruppe „Christliche Kreise“ wurde sie sehr einflussreich. (http://www.uni-leipzig.de/~agintern/uni600/ug279.htm)

Neben diesen sozialistischen Christen gab es Christen, die die Kirche aus pragmatischen Gründen den kommunistischen Verhältnissen unterstellten. Sie erhofften sich, der alten protestantischen Staatsnähe treu, Einfluss.

Angepasste Bischöfe wie Moritz Mitzenheim waren Mitglieder des kommunistischen Parlaments. (http://de.wikipedia.org/wiki/Moritz_Mitzenheim)

Oberkirchenrat Manfred Stolpe, der Leiter des DDR-Kirchenbundes, arbeitete sogar mit dem Geheimdienst Stasi zusammen und bekam dafür einen hohen staatliche Orden. (http://www.stasiopfer.com/stolpe.html) Er wurde vom Geheimdienst als Stasispitzel unter dem Decknamen „Sekretär“ geführt. http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Stolpe#Kontakte_zum_Ministerium_f.C3.BCr_Staatssicherheit

Während Kirchenmitglieder und besonders die christliche Jugend diskriminiert wurden, arbeitete der Berliner Bischof Albrecht Schönherr offen auf den Staat zu. (http://de.wikipedia.org/wiki/Christen_und_Kirchen_in_der_DDR#Repression)

 

Einen Höhepunkt der Peinlichkeiten gab es 1983, als SED-Chef Erich Honecker Vorsitzender des staatlichen Lutherkomitees wurde und gemeinsam mit den Kirchenführern auftrat. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14018281.html

1.3. Die Kirche als einzige unabhängige Institution in der DDR

Trotz vielfältiger Unterwanderung und Anpassung blieb die Evangelische Kirche die einzige nicht vollständig gleichgeschaltete Organisation in der DDR. Das Gleiche gilt auch für die Katholische Kirche, die sich politisch sehr zurück hielt, und die Freikirchen.

- Obwohl der Staat es ungern sah, gab es eine kirchliche Jugendarbeit.

Neue Ideen, wie Friedensbewegung und Ökologiebewegung, fanden durch ihnen wohlgesonnene Pfarrer eine gewissen Schutz in der Kirche. Selbst staatsnahe Kirchenleitungen duldeten dies, um ihre Basis im Kirchenvolk nicht zu verlieren.

http://www.kas.de/polen/de/publications/21828/

- Den offenen Kampf gegen das Christentum unterließ der Staat seit Mitte der 1950er Jahre.

 

1.4. Innerdeutsche Verbindungen weiteten den politischen Horizont in der Kirche

Bis 1967 gab es eine gesamtdeutsche Evangelische Kirche. Auf Druck der Kommunisten traten die DDR-Kirchen aus und gründeten den DDR-Kirchenbund. Staatsnahe Kirchenführer wie Konsistorialpräsident Manfred Stolpe und Bischof Schönherr leiteten den DDR-Kirchenbund.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_Evangelischen_Kirchen_in_der_DDR#Gr.C3.BCndung_des_Bundes

- Dennoch blieben Partnerschaften zwischen DDR-Kirchengemeinden und westdeutschen Kirchengemeinden bestehen. Es gab Briefkontakte und Besuche von westdeutschen Kirchenmitgliedern in DDR-Gemeinden. Dadurch gab es persönliche Verbindungen und Ideenaustausch über die Grenze hinweg.

- In Ostberlin gab es sogar Jugendbegegnungen und gemeinsame Ost-West-Veranstaltungen in kirchlichen Räumen.

 

- Die schlechtbezahlten Kirchenangestellten bekamen eine finanzielle Unterstützung durch westdeutsche Pfarrer.

- Die Evangelische Kirche selbst bekam in der DDR finanzielle Zuwendungen vom Staat. Der aber erhielt als Gegenleistung Industriegüter aus der Bundesrepublik.

1.5. Die Evangelische Kirche vom Geheimdienst unterwandert

Aufgrund des religiösen Charakters, und weil nichtkommunistische Personen die Kirche als Rückzugsraum nutzten, wurde die Kirche immer mehr zum Unsicherheitsfaktor für den Staat. Aus diesem Grund wurde die Kirche vom Spitzelsystem der Stasi unterwandert. Teilweise wurden Stasimitarbeiter eingeschleust. Kirchliche Personen wurden zu Spitzeldiensten erpresst oder gekauft.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13680125.html

So war der zuständige hohe Kirchenbeamte Oberkonsistorialrat Hammer aus Magdeburg Stasi-Hauptmann. Der Pommerische Bischof war selbst Stasi-Spitzel. Viele Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter spionierten ihre Kollegen und Gemeinden aus. Selbst dem Leiter des DDR-Kirchenbundes Manfred Stolpe sagte man Stasi-Tätigkeit nach. Kirchliche Rechtsanwälte spionierten ihre Mandanten aus.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13688002.html

Aus heutiger Sicht peinlich war es, dass die teilweise politisch links orientierte westdeutsche Kirche den Direktor der SED- Parteihochschule Otto Reinhold als Redner zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt einlud

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13525649.html

2. Die Rolle der Kirche während des Wandels in der DDR 1989

Wenn die Kirche auch keine Widerstandsbewegung war und sein konnte, so bot sie doch teilweise in ihren Räumen und durch einige Pfarrer Freiraum zum Widerstand. In sofern war sie ein wichtiger Ausgangspunkt des Wandels in der DDR. http://www.berliner-zeitung.de/archiv/ueber-die-rolle-der-kirche-in-der-frueheren-ddr-ein-schutzraum-fuer-die-opposition,10810590,10089520.html

 

2.1. Die Kirche als Ort, in dem freiheitliche Gedanken überwinterten

Ob pietistisch fromm und missionarisch oder bürgerlich liberal, war die Kirche doch Heimstadt einer Alternative zum atheistischen Staat und seiner Ideologie.

Wie schon erwähnt, boten einzelne Pfarrer und Gemeinden einen Raum, auch nichtkommunistische Ideen und Gedanken zu vertreten und zu entwickeln. Sie boten auch Raum für eine nichtkommunistische Kulturszene.

- Es gab Konzerte und Lesungen von staatlich ausgegrenzten Künstlern.

- Es gab kirchliche Gesprächskreise, in denen man frei reden konnte.

- Selbst Menschen, die vom Staat verfolgt wurden, fanden teilweise bei der Kirche Schutz und Arbeit.

- Menschen, die dem Staat kritisch gegenüber standen, traten in den Kirchendienst ein und arbeiteten teilweise als Pfarrer.

 

2.2. Kirchliche Öffentlichkeit

Demonstrationen waren in der DDR nicht möglich.

Aber Gottesdienste waren erlaubt. Es gab sogar kirchliche Großveranstaltungen. Dort fanden auch dem Staat kritisch gegenüberstehende Personen Wirkungsmöglichkeiten.

- Menschen nutzten Gebetsveranstaltungen, in denen sie ihre Wünsche und Forderungen als Gebetsanliegen einbrachten. Daraus entwickelten sich die Friedensgebete. Diese Gebetsveranstaltungen wurden Ausgangspunkt der Großdemonstrationen im Herbst 1989 mit über 100 000 Teilnehmern, z.B. in Leipzig.

http://www.nikolaikirche-leipzig.de/friedensgebete-mainmenu-134

- Konzerte unangepasster Musiker zogen z.B. in Berlin Tausende Jugendliche an.

- Die kirchliche Friedensbewegung, unter dem biblischen Motto „Schwerter zu Flugscharen“, hatte seit etwa 1980 eine enorme Ausstrahlung, besonders auf Jugendliche.

- In einem Pfarrhaus wurde z.B. die SPD gegründet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_in_der_DDR

2.3. Es war ein komplizierter Prozess

Einzelne Pfarrer leisteten Widerstand bis zum Märtyrertum, so Pfarrer Oskar Brüsewitz.

Kirchenleitungen versuchten sich dem Staat anzupassen.

http://www.uokg.de/konferenz.htm

Die kirchlichen Gremien und Gemeinden wurden von Stasi-Spitzeln überwacht.

Aber dennoch war die Kirche eine Art Schutzraum für die Anfänge der friedlichen Revolution.

Mehr hätte sie nicht leisten können.

 

3. Mögliche Implikationen für Nordkorea

Die Verhältnisse in der früheren DDR, die von westlichen Medien beobachtet wurden, deren Vertreter sich vertraglich zu bestimmten Standards verpflichtet hatten, sind nur bedingt mit dem brutalen Steinzeitkommunismus in Nordkorea zu vergleichen. Das gleiche gilt für die kirchliche Situation. Volks- oder Staatskirche gab es in Korea nicht. Die meisten Kirchen sind evangelikal ausgerichtet.

In Nordkorea besteht nach meinen Informationen nur eine absolut staatshörige Kirchenorganisation, vergleichbar mit der Drei-Selbst-Kirche Chinas. Das biblische Prinzip „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Aplg. 5,29) spielt dort offiziell kaum eine Rolle. Allerdings glaube ich, dass es auch in Nordkorea gottesfürchtige und fromme Menschen noch geben kann. Solche Strukturen hat man auch nach dem Untergang des Kommunismus in den staatshörigen Kirchen Osteuropas und der Sowjetunion feststellen können.

Mit Sicherheit gibt es im Untergrund Nordkoreas kleine Zellen von Christen, die ihrem Glauben treu sind, aber kaum Möglichkeiten haben, nach außen zu wirken.

Einige Anregungen, die man zu gegebener Zeit nutzen kann:

1. Eventuell ist Ihnen selbst, bei meinen Schilderungen, der eine oder andere Anknüpfungspunkt klar geworden. Sie kennen die Verhältnisse hier besser als ich.

2. Kommunistische Staaten haben eine permanente Mangelwirtschaft. Bei Katastrophen und wenn wirtschaftliche oder humanitären Hilfen für Nordkorea nötig sind, sollte man versuchen Unterstützungen über christliche oder vergleichbare Gruppen laufen zu lassen. Dies würde ihre Stellung stärken. Wenn dies heute noch nicht möglich ist, könnte es später möglich sein.

Es wäre über diskreten Gefangenenfreikauf zu reden.

3. In Verhandlungen der Regierung, gleich welcher Art, muss die humanitäre Frage immer mit aufkommen.

4. In den christlichen Kirchen Südkoreas sollte der Blick für die Verfolgten in Nordkorea lebendig bleiben. Durch Fürbitte kann dies öffentlich werden.

5. Die Hoffnung war immer eine starke Kraft des Christentums. Durch Radiosendungen, Flugblätter usw. muss diese Hoffnung gefördert werden.