Jochen Elgt und David Frank: STRAUSBERG - ein Kapitel deutscher Nachkriegs-Geschichte

Aufklärungs-Dokumentation mit Enthüllungen "Wildost"

Doku-Report über ein Tabu der deutsch- deutschen Wiedervereinigung, ersch. 2003 im Verlag "Scheib-Design und Druck"

Strausberg - das lässt sich unschwer aus den nachgezeichneten Vorgängen ersehen, steht hier "nur" als exakt recherchiertes Modell für die offenbar systematisch, vor allem im Land Brandenburg, betriebenen Beutezüge gegenüber den privaten Eigentümern wertvoller, teurer Grundstücke und Häuser. Strausberg ist überall- das scheint die Botschaft der beiden Rechercheure zu sein, wenn sie ziemlich mutig den Ungeist der kriminellen Energien beschreiben, mit der die Akteure aus der SED/DDR-Funktionselite zur Sicherung der Immobilien für sich und die ihren zu Werke gegangen sind.

Die Mentalität der Stasi-Größen à la Wolf und Mielke wird dabei ebenso durchleuchtet wie die Täuschungs- und Unterlagen-Beseitigungs-Aktionen dieser Profis gegenüber westlichen Politikern und naiven Newcomern wie Eppelmann und Markus Meckel.
Besonders brisant übrigens die Kapitel "Wissen gegen Amnestie" und "Die verlorene Schlacht um den Schlussstrich" mit den - schließlich vergeblichen - Bemühungen Schäubles für eine Art Sofort-Amnestie für Stasi- und andere SED-Straftaten.

Hochgradig brisant: Die Enteignungen nach dem DDR-Aufbau- und dem Baulandgesetz. Strausberg war in schöner Regelmäßigkeit mit 60 Grundstücken pro Jahr dabei, insbesondere aber die nicht in die Restitutionsfälle einbezogenen Geheimen Beschlüsse des SED-Politbüros und des DDR-Ministerrats werfen ein ganz neues Licht in das besonders abstoßende Kapitel der bisherigen vorsätzlich betriebenen Nicht-Rückgabe von Immobilien- Eigentum.
Die Verwicklung einer ganzen Riege führender SPD- Politiker in Brandenburg kommt noch dazu, und die auffallende Blindheit der angerufenen, aber trotz handfester Verdachtsmomente nicht fündig werdenden Staatsanwälte gibt Rätsel auf, so wie die Mitwirkung von Ämtern und Notaren bei Manipulationen, selbst mit nachträglichen "sachdienlichen Veränderungen" an Grundbuchauszügen bis hin zu Rückdatierungen und Amtssiegel-Fälschungen in der Grauzone der Übergangszeit zwischen DDR und BRD. Hier bedienten sich und ihre Freunde die Bonzen des zu Bruch gehenden Regimes in lukrativer Weise mit gut eingefädelten, von langer Hand vorbereiteten Aktionen. Nur, dass ihnen dabei formelle schwerwiegende Fehler unterliefen, an deren Bekanntwerden sie wohl nicht glauben mochten - bis jetzt jedenfalls.
Die Vernichtung von Akten, die Überläufer und ihr "Verrat", die große Vernetzung im Bemühen um Rente und Anerkennung, bei der eine Art "Stasi-Gewerkschaft" erfolgreich zu Werke geht, der Einsatz der "Romeos" zum widerwärtigen Mißbrauch menschlicher Gefühle - all das macht in der Thematisierung deutlich, wie wenig vom wahren Gesicht der SED-Diktatur dauerhaft im öffentlichen Bewußtsein geblieben ist oder überhaupt dorthin gelangte.
Statt dessen spiegelt sich das Regime gegenwärtig zunehmend im milden "Ostalgie-Licht" bestimmter TV-Shows oder im besten Fall mit dem Hauch des Versöhnlichen in "Good-bye Lenin".

Gewagt auch das Kapitel über den " Landesvater Stolpe" vor dem Hintergrund seines strittigen Grundstückserwerbs. Auch mit einer oft gehörten Meinung zu den angeblich besseren Chancen für jüdische Eigentümer-Erben räumt der Report auf: Die Fälle "London" und "Degener- Salomon" - zwei Familien, denen von den Strausberger Genossen übel mitgespielt wird - belegen, daß die Beutemacher auch den Naziverfolgten gegenüber keine Skrupel hatten, erneut zuzuschlagen, als es um den großen "Fischzug" der Immobilien ging.

Weshalb das Buch für Aberhunderte bereits rechtskräftig durch die Vermögensämter und Gerichte abgeschmetterte Restitutionsverfahren von großer Bedeutung werden kann: Die von Elgt und Frank jetzt geführten Nachweise über die Geheimen Beschlüsse aus der DDR-Zeit und über die nicht (warum eigentlich nicht?) in die BRD-Gesetzessammlungen aufgenommenen Bestimmungen und Dokumente lassen die Vermutung zu, daß es - zumindest nach juristischen Pilot-Prozessen - zu Wiederaufnahmeverfahren kommen wird. Und das mit guten Chancen für die bisher geprellten Verfolgungs- und Enteignungsopfer, deren Schicksal Zeugnis ablegt über einen bis heute verdrängten zentralen Bereich schweren Unrechts, in Wahrheit eine eiternde Wunde im angeschlagenen neudeutschen Rechtsstaat.



Der Dokureport "Strausberg" ist bis zum Anlaufen des Verlagsvertriebs über das ARE-Zentrum direkt zu beziehen, für ARE- Mitglieder und - Freunde mit einem Preisnachlaß von rd. 20 %, d.h.18 Euro zzgl. Porto.-- Immobilien-Enteignungsopfer bitte melden -jetzt !



nach oben